Juli 2010
http://www.d-lol.de/2010/07/09/mit-langem-atem-und-beharrlichkeit-zum-traumjob-schauspielerin/
 
Juni 2009
Das Abenteuer ist zurückgekehrt
Umjubelte Premiere von „Robin Hood“ an der Bad Bentheimer Freilichtbühne
Mit Robin Hood ist am Samstagabend das pure Abenteuer auf die Bad Bentheimer Freilichtbühne zurückgekehrt. Action, Humor, Tanz, Musik, große Gefühle, Macht, Intrige und hehrer Edelmut sind die Zutaten, mit denen die rund 60 Darsteller des überaus spielfreudigen Ensembles eine vielbejubelte Theaterpremiere auf der Naturbühne hinlegten. Das begeisterte Publikum schickte „Robin Hood“ als Abendstück der Amateurbühne mit lang anhaltendem Applaus in die Spielzeit 2009.
Von Thomas Kriegisch - Bad Bentheim. Die Rahmenbedingungen für die ausverkaufte Premiere waren optimal, als um Punkt 20.30 Uhr die Feuer an der Bühnenrampe gezündet wurden und ein flacher Teppich aus dichtem Kunstnebel sich langsam über die Theaterlandschaft legte.
Frühsommerlich waren die Temperaturen, der dämmernde Abendhimmel wolkenlos und das große Freilichtbühnenpublikum nicht nur mit den obligatorischen Decken, Sitzkissen oder Picknicktaschen, sondern auch mit gespannter Erwartung und vor allem spürbarer Vorfreude ausgestattet. Helmut Riestenpatts markanter Erzählerbariton führte via Lautsprecher in das düstere England zur Zeit des Kreuzzugs von König Richard Löwenherz und schuf mit dem Auftakt mystisch-mittelalterlicher Play-back-Klänge aus der poppig komponierenden Feder Roun Zieverinks den durchgängig atmosphärisch dichten Boden für ein knapp zweistündiges Theaterabenteuer zwischen Gut und Böse, Hass und Liebe, Verrat und Gnade, Unterdrückung und Freiheit, Gerechtigkeit und Tyrannei. Und gleich mit der ersten, effektvoll choreografierten Kampf- und Massenszene ließ auch Regisseurin Sylvia Karow in all den Nebelschwaden deutlich werden, wo ihre szenischen Stärken und Ambitionen liegen – und wohin die Reise mit der naturalistisch kostümierten Spielschar (Rosemarie Meyenburg) auf der stilecht gestalteten Bühne (Hein Schlüter) mit der Burg des despotischen Sheriffs von Nottingham als Kulisse für Brutalität, Ausbeutung und Dekadenz und Robin Hoods romantisiertem Rebellenlager im Sherwood Forest gehen sollte.
Mit „Robin Hood“ gab die 1967 in Berlin geborene und arbeitende Schauspielerin und Regisseurin nicht nur ihr gelungenes Regiedebüt in Bad Bentheim, sondern auch im Openair-Theater. Dieser engagierte Erstling zeigt dabei so scharfe Spitzen wie Robins Pfeile und lässt den dramaturgischen Spannungsbogen nicht erschlaffen. Das Geschehen ist flott, facetten- und anspielungsreich sowie liebevoll inszeniert, gleichermaßen mit Gespür für stimmungsvolle und überwältigende Bilder wie für Aperçus im Detail und mit Blick für Bühnenräume. So grob, deftig und direkt wie das Mittelalter ist zum Teil auch die Sprache, die Karow ihre Darsteller in den handfesten wie schnörkellosen und handlungsorientierten Dialogen sprechen lässt. Hier geht alles unverblümt und gleich zur Sache.
Dabei erlaubt die Orientierung am Volkstheater nicht nur manches herbe Wort, sondern auch manch
augenzwinkernde Frivolität.
Ihre spielerische Leichtigkeit und fließende Unterhaltung verdankt diese Aufführung auch der Tanzchoreografie Monika Grübers, die Sylvia Karow nicht nur als tragendes darstellerisches Element, sondern auch zur Dynamisierung und Auflockerung der Inszenierung zielgenau einsetzt. Beim Gauklerfest mit Feuerspuckern schafft Karow etwa mit Anklängen an die mittelalterliche Volksbelustigung ein Theater im Theater, im opulenten Finale gerät das alles zu einem großen mitreißenden Ensembletanz, der den Funken der Spiel- und Tanzfreude auf das Publikum sofort überspringen lässt.
Geschickt nutzt die Regisseurin das ganze Ausmaß der Naturbühne für die erzählerische Struktur und die Wirkung der Massen- und Actionszenen. Dabei setzt Karow auf präzise und sparsam eingesetzte Effekte aus Licht, Feuer, Nebel und Knall (Pyrotechnik: Helmut Heller), verzichtet aber auf plakative Effekthascherei. So belässt sie es etwa in den Kampf- oder Mordszenen bei klaren Andeutungen. Das erlaubt der Inszenierung auch, dass die von Bogensportler Wolfgang Spring erstaunlich gut trainierten Bogenschützen nicht immer den perfekten Schuss abliefern müssen.
Für die legendäre Figur des Robin Hood, der für Gerechtigkeit und Freiheit kämpft und Adel wie Kirche um ihre Reichtümer für das geschundene Volk erleichtert, gibt es eine Reihe literarischer Vorlagen und populärer Filmversionen. Karow hat gut daran getan, sich für die Bentheimer Inszenierung nicht davon fesseln zu lassen. Sie bedient sich zwar mancher bekannter Episode, erzählt nach der Vorlage von Bernd Klaus Jerofke aber eine eher unlegendäre Geschichte.
Auf der Freilichtbühne umgibt sich Robin bis auf den hünenhaften Little John mit einer Bande einstiger Freudenmädchen, die der Kreuzzug von Richard Löwenherz ins Heilige Land oder des Sheriffs Mordlust die Männer geraubt und zu gesetzlosen Amazonen des Waldes gemacht hat. Unter ihnen ist auch Marian, in Wahrheit die Nichte von König Richard. Sie alle erheben das Schwert gegen das grausame Regiment des Sheriffs. Als Handlanger von Prinz John, der Richard die Königskrone im verwaisten England entreißen will, plündert der mit seiner machthungrigen Gattin Lady Joan samt Adel und Bischof das unterdrückte Volk aus. Durch Verrat lässt der Sheriff Marian entführen, um Robin Hood zu fangen – doch mit einer List befreit Robin seine große Liebe und mit dem im Schlussbild zurückgekehrten Kreuzfahrer Löwenherz steht einem echten Happyend nichts mehr im Wege.
Die Rollen sind klar profiliert und entsprechen weitgehend den geneigten Erwartungen, sorgen aber dennoch hin und wieder für kleine Überraschungen. Sebastian Grosse gibt etwa einen unbekümmertjugendhaften Robin Hood, der den legendären Helden als makellosen Rächer der entrechteten doch immer wieder auch auf den Boden menschlicher Tatsachen, Hoffnungen, Wünsche und Zweifel holt.
Ulrika Spering hat als sein frühemanzipiertes Pendant Marian nicht nur die grünen Hosen an, sondern zeigt zum Schluss als Prinzessin dann doch noch märchenhafte Anmut. Im Gefolge der Hood-Bande gibt Frank Wargers nicht nur in Größe und Körperfülle einen überzeugenden Little John. Eva Maria Schevel überzeugt darstellerisch und auch gesanglich in der überraschenden Schlüsselrolle der Willy, die aus enttäuschter Liebe zu Robin zur Verräterin wird.
Als Ausbund an unersättlicher Wollust, Gier und Intrige kommt Lady Joan daher, deren Rolle von Bärbel Grosse zielgenau in die imaginäre Horizontale geführt wird. Mit teuflischer Bosheit und erheiternder Einfältigkeit gibt Axel Sigwart dem Sheriff die passgenau fiese Gestalt. Heiko Arnink versteht es als Bischof of Hereford, die ambivalente Rolle des Klerus im Mittelalter von der Rampe zu bringen – gleichermaßen tun das für den Adel als feudale Hofschranzen auf der Burg des Sheriffs Jonas Hofsommer als Sir Roger of Doncaster und Ernst R. Schröder als Lord Gisbourne. Neben den vielen, gleichermaßen wichtigen Darstellern des Gesamtensembles zeigen ihre schauspielerische Souveränität in weiteren Rollen Lilo Schwietering (Mother Tuck), Anja Rosenski-Beernink (Alana), Vanessa Peters (Rosali), Beate Bardenhorst (Olivia), Irmgard Horstmeyer (Mary), Laura Schwietering (Sara), Tina Rosenski (Boy George), Rosemarie Meyenberg, Magret Winkelmann und Anne Schulz (Bäuerinnen), Helmut Strahl (Duncan), Joachim Ohnemus (Richard Löwenherz), Katrin Bomball, Florian Pletz und Nils Winkelmann (Wildhüter und Ausrufer) oder etwa Elisa Beernink (kleine Marian) und Sinead Ohnemus (kleiner Robin). Zur einer gelungenen Freilichtsaison 2009 fehlt nach der umjubelten Premiere jetzt nur noch eins: Ein richtiger Sommer!

 

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